Work smart, not hard

Der vielleicht entscheidende Anstoß für meine Entscheidung, einen anderen Weg für mich zu finden, kam von der Wiener Online-Unternehmerin Mara Stix, der zufolge Frauen nicht so hart arbeiten können wie Männer und sich deshalb andere, weniger fordernde Arten des Geldverdienens suchen sollten. Oder auf gut Englisch: Work smart, not hard!

Meine erste Reaktion ging in die Richtung leichter Empörung, denn schließlich sind Frauen genauso fähig wie Männer, etwas zu leisten. Aber schon im nächsten Moment hatte ich die kleine Offenbarung, dass da eine eigentlich gesunde, fähige Frau offen sagt, dass sie keine Lust auf Plackerei und Anpassung hat, aber trotzdem beruflich erfolgreich sein will. Dass es auch ganz anders geht, wie Mara selbst beweist. Nicht, dass ich nicht schon von Konzepten wie passives Einkommen und Lifestyle-Business gehört hatte, aber umgehauen hat mich diese Selbstverständlichkeit, mit der sich jemand – und gerade eine Frau! – ganz offen und selbstbewusst dem bestehenden System verweigert und trotzdem ein gutes Leben will. Sakrileg!

Meine letzten Jahre waren davon geprägt, um jeden Preis wieder fit zu werden. Denn ich glaubte ja, nur so habe ich überhaupt eine Chance in der Arbeitswelt (was irgendwie auch stimmt) und auf Glück und Erfolg im Leben (was eben nicht unbedingt stimmt). Erst seit wenigen Monaten habe ich wieder genug Luft, um mir Gedanken über die nächsten paar Wochen hinaus zu machen, also über mein Leben an sich und wie ich es leben will (und kann). Und meine Krankheit zwingt mich quasi dazu, nachhaltiger zu leben und zu arbeiten und meinen eigenen Weg zu finden, der für mich funktioniert.

Mir kommt gerade der Gedanke, dass ich glaube, nur krank “darf” ich das – meinen eigenen, unperfekten Weg gehen. Irgendwie muss ich mich erst abgeschrieben fühlen, um ungestört mein eigenes Ding machen zu können. Frei nach dem Motto: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich ganz ungeniert. Denn gesund und leistungsfähig müsste ich sofort wieder “funktionieren” – also im vorgegebenen Spiel des Lebens mitspielen, dessen Regeln andere schreiben. Und das natürlich trotzdem mit vollem Einsatz, denn sonst droht gleich das Game Over.

Und nun kommt Mara und zeigt meinem Unterbewusstsein sehr schön, dass es auch ganz anders gehen kann. Dass es nicht nur die eine richtige Art und Weise gibt, erfolgreich oder besser gesagt “richtig” zu leben und zu arbeiten. Und das auch noch ganz ohne Krankheit oder Ähnliches, durch das man schnell als nicht mehr voll belastbar und damit als irgendwie unbrauchbar gilt. Sie propagiert selbstbewusst ein neues, vielleicht wirklich weiblicheres Paradigma: mehr natürlicher Rhythmus statt starre Präsenzkultur, mehr Work-Life-Balance statt Selbstaufopferung, mehr Kollaboration statt Wettbewerb um des Wettbewerbs Willen. Und ganz wichtig: in großzügigeren Maßstäben denken statt weiter in der Zeit-gegen-Geld-Falle festzuhängen.

Und ich wage zu behaupten, dass von einem solchen Paradigmenwechsel nicht nur chronisch Kranke oder Frauen (und erst recht erkrankte Frauen) profitieren könnten, sondern alle Menschen.

Foto: Aleksandra Boguslawska/Unsplash

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