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2020 – der große Ausbruch

Wer hätte gedacht, dass 2020 – das doch eigentlich der Start in die goldenen 20er der Zukunft werden sollte – uns erst einmal in eine globale Pandemie stürzt? Inzwischen hat uns das neuartige Coronavirus schon fast 10 Monate im Griff, und wir hangeln uns von Lockdown zu Lockdown. Im Rückblick also ein Jahr des Stillstands – doch vielleicht war es gerade deswegen eines der wichtigsten Jahre meines Lebens für meine persönliche Entwicklung, wenn auch nicht wie erwartet oder gar erhofft.

Der große Ausbruch

Eigentlich kommt mir die Corona-Zeit wie ein Extrem meines Lebens im ganzen letzten Jahrzehnt vor, das stark von Isolation, Rückzug, Unsicherheit, Einschränkungen und Sorgen um meine berufliche und finanzielle Situation geprägt war – aber auch von konsequenter persönlicher und spiritueller Entwicklung, dank der ich nach und nach wieder festeren Boden unter den Füßen finden konnte.

Vielleicht musste diese vorausgehende Entwicklung mit der monatelangen Lockdown-Auszeit und dann auch noch den Beginn einer neuen Dekade meines Lebens zusammenkommen, um zu einem spontanen Ausbruch von etwas zu führen, das all die Jahre wie ein Virus unerkannt in mir geschwelt hat. Die Folge war eine emotionale Krise, die mich über den Sommer fast in die Knie gezwungen hätte – aber mir dadurch gleichzeitig auch den entscheidenden Durchbruch ermöglicht hat. Es war wohl so, dass ich erst bis an meine Grenzen, bis zu meinem persönlichen Tiefpunkt, gebracht werden musste, um genau dadurch aus alten Mustern ausbrechen zu können.

Diese Zeit war für mich weniger wie eine Achterbahnfahrt als ein direkter Ritt durch die Hölle, und ich muss erst ein wenig mehr Abstand gewinnen und abwarten, wie sich die Dinge weiter entwickeln, um mehr darüber schreiben und sie in den richtigen Kontext setzen zu können.

Kokon oder brennender Turm?

Mir kam für 2020 oft das Bild eines Kokons in den Sinn, in den sich die Raupe für eine gewisse Zeit zurückzieht, bevor sie ihn zu einem wunderschönen Schmetterling verwandelt wieder verlassen kann. Ein netter Gedanke, aber wenn ich ehrlich bin, passen als Symbole für dieses Jahr eher zwei Karten des Tarots, und zwar der Eremit und ganz besonders der Turm – die Karte für notwendige Veränderung durch plötzlichen Zusammenbruch des Alten.

So oder so war 2020 ein wichtiges Jahr der inneren Transformation und Metamorphose. Ich stecke noch mitten in diesem Entwicklungsprozess, der sicher auch nicht Punkt Mitternacht beendet sein wird – inzwischen bin ich aber vorsichtig optimistisch, tatsächlich den tiefsten Tiefpunkt, den Moment der Katharsis nach der Krise, durchlebt und überwunden zu haben, so dass es jetzt eigentlich nur noch aufwärts gehen kann (klopf auf Holz). 2020 hat mir damit endlich den Durchbruch gebracht, auf den ich so lange gewartet habe, auch wenn die Art und Weise gerne deutlich weniger dramatisch hätte sein dürfen.

Alles andere als ein verlorenes Jahr

So gesehen war 2020 also alles andere als ein verlorenes Jahr für mich; ich habe rückblickend eher das Gefühl, dass so viel passiert ist – auch hinter den Kulissen – dass diese vergangenen 12 Monate komplett die Flugbahn meines weiteren Lebens verändert haben und mir damit eine Zukunft ermöglichen, von der ich vorher nicht einmal träumen konnte. Aber wie diese Zukunft genau aussehen wird, das kann sich erst dann zeigen, wenn ich nicht mehr zusammen mit allen anderen in der Lockdown-Warteschleife festhänge; darauf hoffend, dass sich 2021 die Welt schnell wieder öffnet und wir den Corona-Kokon endlich verlassen können.

Foto: Hulki Okan Tabak / Unsplash

Mein Traum vom Schreiben in einem Garten am Meer

Mein Leben lang hatte ich immer diesen Traum vom Schreiben, oder besser gesagt: in einem Garten am Meer zu sitzen und zu schreiben. Fast schon egal, was; es ging mir einfach darum, Geschichten zu erzählen, mit Worten zu spielen, neue Gedanken zur Welt zu bringen.

Ein schöner Traum, der nur einen Haken hat: Ich schreibe nicht. Natürlich bringe ich regelmäßig Worte aufs Papier (oder auf den Bildschirm), aber weder sind sie von literarischem Wert noch irgendein Ausdruck meiner Kreativität. Doch wäre Schreiben wirklich mein Traum, müsste ich mir dann nicht schon seit meiner Jugend die Seele aus dem Leib schreiben? Aber ich tue es einfach nicht, als ob mich die Muse immer wieder im entscheidenden Moment verlässt. Irgendwann habe ich meinen Traum tatsächlich als malerische, aber leere Fluchtfantasie abgehakt, die einfach nur einer romantischen Idee der Schriftstellerei nachhängt.

Und doch lässt es mich nicht los. Da war und ist eine Stimme in mir, die gehört und ausgedrückt werden will – wenn es sein muss auch ohne eine Immobilie in bester Lage. Denn vielleicht ist es ja dieses Luftschloss des „Gartens am Meer“, weshalb ich mir bisher die eigentliche Frage nicht gestellt habe: Warum schreibe ich auch jetzt schon nicht?

Ja, warum überhaupt dieser Garten am Meer? Warum ist er mir so wichtig?

Für mich steht er für meinen geheimen Rückzugsort, der mir Ruhe und Abgeschiedenheit bietet. Gerade das Meer hat für mich etwas Zentrierendes, durch das ich zu mir selbst komme, und gleichzeitig etwas Weitendes, das mir den ganzen Raum der Möglichkeiten eröffnet.

Dort am Meer bin ich weit weg von der Hektik und den Ablenkungen des Alltags – und dem gefühlten Erwartungsdruck, diesen Ablenkungen auch nachgehen zu müssen. Egal, ob es sich dabei um soziale Verpflichtungen oder den traditionellen Wettlauf im Hamsterrad handelt; ohne die räumliche Distanz könnte ich mich all dem nicht so leicht entziehen. Doch hier allein am Meer muss ich nichts. Die Abgeschiedenheit lässt mir gar keine andere Wahl, als mich ganz auf mich selbst zu konzentrieren.

Auf eine gewisse Weise bedeutet ein eigenes Haus mit Garten und Meerblick auch, dass ich es geschafft habe; es ist das große Endziel, an dem ich endlich machen kann, was ich will. Endlich bin ich frei von Zwängen; endlich kann, nein, darf ich mir die Zeit und Muße für meine Träume wie dem Schreiben (und überhaupt für mich) nehmen.

Im Grunde geht es mir also um Ruhe, Grenzen und die daraus erwachsende innere Freiheit, nach meinen eigenen Regeln spielen zu können. Also nichts, wofür ich zwangsläufig einen abgeschiedenen Garten am Meer brauche. Aber er erinnert mich daran, wie wichtig es ist, mir selbst den nötigen Freiraum im Leben zu schaffen – sowohl was den Alltag als auch meine innere Einstellung angeht.

Auch deshalb nun dieser Blog, damit ich endlich schreibe – auch wenn es mir vielleicht am Anfang noch schwer fallen sollte. Dabei kann ich mich gleich mit der Frage auseinandersetzen, warum ich mir selbst so im Weg stehe, wenn es darum geht das zu tun wonach ich mich sehne.

Ich bin selbst gespannt, wohin mich das führen wird – und wenn dieser Weg irgendwann zu einem Garten am Meer abzweigt, umso besser.

Foto: Jacob Morch / Unsplash