Radikale Selbstliebe mit Gala Darling

Ich kann nicht sagen, wie oft ich seit dem letzten, schon über ein halbes Jahr alten Post überlegt habe, das mit dem Bloggen einfach sein zu lassen. Aber es passt ja: Schließlich bin ich noch viel länger als dieses halbe Jahr auf der Suche nach meiner Motivation für eigentlich alles, aber vor allem meiner Kreativität. Irgendwann konnte ich nicht einmal mehr die Muße für seichte Romane oder sinnlos-lustige Serien aufbringen. Das ist auch der Grund, weshalb ich Radical Self-Love von Gala Darlings erst im Juni während eines kurzen Urlaubs in die Hand genommen habe, und das, obwohl ich mir das Buch eigentlich schon im Februar für einen Radical Self-Love Workshop mit Gala in Hamburg zugelegt hatte.

Wer sie noch nicht kennt: Gala Darling ist eine erfolgreiche New Yorker Bloggerin. Ich „folge“ ihr schon seit mehreren Jahren; ich glaube, ich habe sie damals zufällig über diesen Artikel entdeckt, als sie noch primär Style-Bloggerin war und so ganz anders über Mode und Stil geschrieben hat als alle anderen Blogs, die ich kannte. Im Laufe der Zeit hat sich allerdings ihre Botschaft gewandelt, und der bisherige Höhepunkt dieser Entwicklung ist die Veröffentlichung von Radical Self-Love bei Hay House, dem internationalen Self-Help-Verlag.

Radikale Selbstliebe also. Das Buch liest sich dank Galas eingängigem Stil mühelos. Ich hatte von Anfang bis Ende das Gefühl, einer guten Freundin zuzuhören, die ein beneidenswertes Leben lebt und nun ein wenig aus dem Nähkästchen plaudert. Zwar sind für mich als alte Selbsthilfe-Veteranin keine neuen bahnbrechenden Erkenntnisse dabei gewesen – die Zielgruppe sehe ich eher in jungen Frauen um die 20, die gerade die ersten unsicheren Schritte ins Erwachsenenleben machen  – aber ich habe etwas darin, wie auch in den Notizen, die ich während des Workshops gemacht hatte, gefunden, dass mir in letzter Zeit schmerzlich abhanden gekommen ist: Inspiration.

Das Besondere an Galas Art der Selbstliebe ist, dass sie sich nicht nur um die innere Einstellung dreht, sondern mindestens genauso sehr um das Außen, also um Spaß am Leben und Freude am kreativen Selbstausdruck – wozu auch Mode, Beauty oder andere schöne Dinge des Lebens zählen. Hauptsache, es ist authentisch und expressiv, und wenn es dabei noch schön glitzert, umso besser! Das geht gegen die Schulen der Selbstliebe, die alle Äußerlichkeiten am liebsten ganz ausklammern würden, um den Fokus auf innere Werte zu lenken. Aber muss es für ein ganzheitlich glückliches Leben nicht um beides, das Innere und dessen äußeren Ausdruck, gehen?

Gala ist die beste Überbringerin ihrer eigenen Botschaft: Ich habe sie während des halbtägigen Workshops als absolut positiv, lebensfroh, authentisch und nahbar erlebt. (Sie schien selbst von ihrem Erfolg verblüfft zu sein, was sie noch sympathischer gemacht hat.)

Es hat außerdem unglaublich gut getan zu merken, dass ich nicht allein mit meinen Selbstzweifeln bin – den anderen anwesenden Frauen ging es ganz genauso, und wir alle könnten uns so viel mehr gegenseitig unterstützen als wir es normalerweise tun. (Ein wenig ironisch ist es ja schon, gerade unter Gleichgesinnten zu merken, dass ich nicht eine Gruppe finden muss, die genau so ist wie ich um mich voll von ihr akzeptiert fühlen zu können, sondern eine, die mich so akzeptiert wie ich bin; als Individuum, dass einfach in keine Box passen und sich auch ganz sicher nicht weiter verbiegen will.)

So war das, was ich letztendlich aus dem Workshop mitgenommen habe, vielleicht nichts, was den Lauf der Welt verändert, aber dafür eine neue Grundeinstellung für ein inspirierteres Leben:

  • Mein höchster Wert ist Freiheit.
  • Ich will mehr reisen – und wenn es Städtetrips innerhalb Europas sind.
  • Ich muss unbedingt mehr tanzen! In keiner anderen Situation fühle ich mich lebendiger und freier.
  • Überhaupt will ich das Leben spielerischer und genussvoller angehen: ob mit der Art, wie ich mich anziehe, mit frischen Blumen in der Wohnung oder all den anderen kleinen Möglichkeiten, wie man mehr Freude in sein Leben bringen kann.
  • Rosenblütenblätter im BH fühlen sich überraschend angenehm an.

Dazu passt auch meine Erkenntnis des Tages, dass ich mich nicht selbst finden muss (was ich an dem Tag bestimmt fünfmal wiederholt habe). Ich meine Selbstfindung im Sinne einer eindeutigen, klar umrissenen Identität, die nach außen als kohärentes Bild präsentiert und dann wiederum schön in eine Box gepackt werden kann. Ja, ich darf spielen, mich ausprobieren, in verschiedene Rollen schlüpfen – auch mit über 30 noch.

Im Nachhinein hat mir das auch dabei geholfen, anders an diesen Blog heranzugehen. Denn auch den habe ich versucht in eine Box zu stopfen, und zwar eine gut vermarktbare mit einem eindeutigen Thema, das schön zur ausgewählten Zielgruppe passt. Aber wie man sieht, kann ich so einfach nicht bloggen. Also wieder Rolle rückwärts und das alte Design reaktiviert, das mehr nach echtem Blog statt nach Online-Magazin aussieht; und das neue Thema bin fürs erste einfach ich und was mir durch den Kopf geht.

Übrigens: Am 1. September 2016 erscheint die deutsche Übersetzung von Galas Buch als Radikale Selbstliebe – Feier dich selbst! im LEO Verlag.

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