Kommen wirklich nur die Harten in den Garten?

Eine besondere Sehnsucht nach Ruhe überkommt mich ja dann, wenn ich mich wieder einmal mit der schönen neuen Arbeitswelt konfrontiert sehe. Im Grunde sehne ich mich vor allem nach Arbeitsbedingungen – oder überhaupt Bedingungen – unter denen nicht ständig nur an mir herumgezerrt wird. In mir ist ein so starkes Gefühl von Verpflichtung, Erwartungen von außen zu entsprechen, dass ich mich physisch ausklinken muss, um mich dem entziehen zu können. Denn sonst lässt mir das System einfach nicht die nötige Ruhe; und damit auch nicht die Chance, nach meinem eigenen Rhythmus zu leben und zu arbeiten.

Und auf eine gewisse Weise ist es ja auch genau so: Ich bilde ihn mir nicht nur ein, diesen Zwang zu funktionieren, und zwar gemäß scheinbar in Stein gemeißelter Regeln, was normal, richtig und erstrebenswert ist. Den Zwang, mitzuspielen und das anzustreben, was alle anstreben. Bisher galt in meinem Leben: Entweder du spielst voll mit – oder du kannst es gleich ganz sein lassen. Alles getreu dem Motto “Nur die Harten kommen in den Garten”, bei dem man eben entweder perfekt funktioniert oder ein schwächlicher Minderleister ist.

Doch muss man im Rennen des Lebens wirklich immer Spitzengeschwindigkeit fahren, um überhaupt eine Chance zu haben? Dieses neurotisch-überdrehte Tempo kann ich spätestens seit dem Start meiner Gesundheitsprobleme nicht mehr durchhalten – mal ganz davon abgesehen, dass es mich irgendwohin treibt, wo ich selbst gar nicht hin will.

Aber was ist die Alternative? Was mir oft suggeriert worden ist, durchaus auch wohlwollend: Schafft man einen “normalen” Job nicht (mehr), muss man sich eben mit anspruchslosen Aushilfsjobs irgendwie über Wasser halten – oder sich eben gleich in Hartz IV häuslich einrichten. So sei nun mal das Leben.

Habe ich also von vornherein verloren? Bleibt mir nur die Wahl zwischen Zusammenreißen und Selbstzerstörung oder eben der Hartz IV-Depression mit der Altersarmut als einziger Aussicht für die Zukunft? Keine Chance auf Erfolg oder gar Glück mehr im Leben?

Nein, ich will und kann nicht akzeptieren, dass die einzige Alternative zur Tretmühle der Absturz in Sozialhilfe sein soll – was ich mir gesundheitlich auch gar nicht leisten könnte (allein was die ganzen Mittelchen so kosten, mit denen ich mich halbwegs arbeitsfähig halte).

Und das alles betrifft ja nicht nur chronisch kranke Menschen – ich treffe auf immer mehr Leute, denen es ganz ähnlich geht wie mir, zum Beispiel Betroffene von Burnout, Depressionen & Co, oder auch einfach Menschen jenseits der 30/40, mit Familie oder gleich alleinerziehend – also alle, die keine jungen, alleinstehenden, allzeit verfügbaren Roboter sind, sondern eben Menschen mit sehr menschlichen Begrenzungen.

Es muss doch auch anders gehen, als nur in dem alten Spiel namens Überlebenskampf mitzuspielen. Ein Weg, der mir Erfolg in Job und Leben ermöglicht, ohne als Tribut mein Wohlergehen zu fordern. Ja, ich will alles: Erfolg, Geld und Glück – trotz oder gerade wegen meiner Einschränkungen. Und der erste Schritt dahin ist, die Regeln zu hinterfragen, nach denen ich das Spiel des Lebens bisher gespielt habe.

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