Ein guter Grund für mehr Ruhe und Entschleunigung

Da träume ich von einem Garten am Meer als dem Ort, an dem ich endlich ich selbst sein kann – und dann ist es der einfache Wunsch nach Ruhe, Abgeschiedenheit und Natur, der in Wirklichkeit dahinter steckt.

Eigentlich sollte mich diese Sehnsucht nach Entschleunigung nicht überraschen, denn ich habe ja einen sehr guten Grund dafür: Ich bin gesundheitlich stark eingeschränkt und stoße dadurch schnell an meine Grenzen. Schon seit einigen Jahren schlage ich mich mit chronischen Problemen herum, bei denen selbst die besten Ärzte und Heilpraktiker mich nur noch hilflos anlächeln. Die genauen Diagnosen sind hier nicht so wichtig, nur soviel: Ich muss sehr mit meiner Energie haushalten (ich könnte mich als Spoonie bezeichnen, wenn es da nicht so viele Menschen gäbe, denen es noch viel schlechter geht als mir) und bin nur dann einigermaßen funktionstüchtig, wenn ich meine Ernährung extrem reduziere; bis hin zu gerade mal zehn teilweise ziemlich exotischen Nahrungsmitteln, die ich noch halbwegs vertrage. Es ist wie die Wahl zwischen Pest und Cholera, und ich weiß nicht, was mich mehr einschränkt: der permanente Energiemangel, die völlige Unberechenbarkeit, was gute und weniger gute Tage betrifft, oder die Tatsache, dass ich dreimal am Tag für mich selbst kochen muss und nie auswärts essen kann.

Kein Wunder dass ich mich da ausklinken will. Ich kann unter diesen Umständen einfach nicht mehr am Wettlauf im Hamsterrad des Lebens teilnehmen, selbst wenn ich wollte. Aber einfach ein, zwei Gänge herunterschalten ist leicht gesagt. Denn chronisch krank zu sein ist aufwändig und vor allem ganz schön teuer. Das heißt: auch wenn es mich gerade wegen meiner eingeschränkten Energie besonders anstrengt zu arbeiten, muss ich es doch, um mich halbwegs arbeits- (und lebens-)fähig halten zu können.

Bisher ging meine Energie komplett dafür drauf, mich zum einen irgendwie über Wasser zu halten und zum anderen einen Weg zu finden, wieder völlig gesund zu werden. Die Hoffnung auf Heilung werde ich wohl nie aufgeben, ich muss aber auch erkennen, dass es vielleicht nicht mehr besser wird als jetzt – und was dann? Will ich mich bis ans Ende meiner Tage nur um meine Krankheit drehen und mein Leben so lange auf Stand-by belassen? Eigentlich nicht. Natürlich nicht.

Für mich bedeutet das: Ich will und muss einen Weg finden, auch mit meinen Einschränkungen das Beste aus meinem Leben zu machen, und zwar auch ohne Garten am Meer als Fluchtfantasie. Denn ist das letztendlich nicht das, was wir alle wollen und müssen, ob krank oder nicht?

  1. Pingback: Das Jahr meines Lebens - Ina Augustin

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