Back to School

So wehmütig ich über das Ende des Sommers bin, so sehr freue ich mich auch auf den Herbst und die Geschäftigkeit, die die Menschen jedes Jahr nach den Sommerferien überfällt, wenn Schule oder Studium in eine neue Runde starten oder einfach der normale Betrieb der Geschäftswelt wieder aus der sommerlichen Trägheit erwacht.

Ich liebe diese Neustarts. Schon als Schülerin habe ich mir jedes Jahr zum Schulanfang vorgenommen, mich völlig neu erfunden wieder in der Schule zu präsentieren (was leider nie den ersten Tag überlebt hat). Und wer kennt nicht den plötzlichen Motivationsschub an Neujahr, auf einmal alles ganz anders und viel besser machen zu wollen?

Die Gefahr: Perfektionismus

Eine solcher Schnitt birgt allerdings auch die Gefahr eines perfektionistischen Denkens in sich, das glaubt, durch einen kompletten Reboot all die Unzulänglichkeiten des so unperfekten bisherigen Selbsts einfach ausradieren und jetzt endlich alles “richtig” machen zu können. Die Fantasie einer Wiedergeburt, reingewaschen von allen Fehlern der Vergangenheit.

Aber natürlich sind wir weiterhin wir selbst, mit all dem (wachsenden) Gepäck, das wir von Anfang an mit uns herumtragen. Wir fahren sehr viel besser durchs Leben, wenn wir uns akzeptieren, wie wir sind – mit allen Schönheitsfehlern – und von da aus die Beta-Version 2.0 von uns entwickeln, anstatt immer wieder ein komplett neues, ausgereiftes Produkt launchen zu wollen. (So wie das neue Blog-Design, an dem ich bestimmt noch ein paar Mal herumschrauben werde.)

Die Chancen eines Neustarts

Wenn er sowieso vor der Tür steht, ist ein Neu- oder Wiederbeginn aber die ideale Gelegenheit dafür, sich selbst wieder neuen Schwung zu geben. Denn er setzt nicht nur neue Energien frei, sondern bietet auch die seltene Möglichkeit, die Dinge einmal losgelöst vom Tagesgeschäft und dessen Scheuklappen anzugehen.

Als Freiberuflerin komme ich von einem traditionell eher langsamen Sommer in die letzte heiße Phase des Jahres. Und auch wenn ich keine Schulbücher mehr brauche, kann ich mich trotzdem angemessen auf diesen Neustart einstimmen: Neue Kleider für den Herbst habe ich schon, ich überlege meinen Schreibtisch ganz neu zu arrangieren, und zufällig kommt auch demnächst das neuste iPhone heraus…

Und gerade für mich als jemand, der mit seinen Kräften haushalten muss, ist die Zeit Anfang September ideal, um die Jahresziele zu überprüfen, eventuell Kurskorrekturen vorzunehmen und die kommenden Monate realistisch zu planen. Das kann auch heißen, Ballast in Form unrentabler Projekte und Pläne rigoros abzuwerfen, vielleicht auch ganz neue Ziele bis Jahresende zu setzen – oder gleich dazu überzugehen, Projekte nicht mehr von Januar bis Dezember, sondern von September bis zum nächsten Sommeranfang zu planen. Denn dann weiß ich auch genau, dass ich mich wieder auf einen schönen, entspannten Sommer freuen kann.

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