Monat: September 2020

Mein Traum vom Schreiben in einem Garten am Meer

Mein Leben lang hatte ich immer diesen Traum vom Schreiben, oder besser gesagt: in einem Garten am Meer zu sitzen und zu schreiben. Fast schon egal, was; es ging mir einfach darum, Geschichten zu erzählen, mit Worten zu spielen, neue Gedanken zur Welt zu bringen.

Ein schöner Traum, der nur einen Haken hat: Ich schreibe nicht. Natürlich bringe ich regelmäßig Worte aufs Papier (oder auf den Bildschirm), aber weder sind sie von literarischem Wert noch irgendein Ausdruck meiner Kreativität. Doch wäre Schreiben wirklich mein Traum, müsste ich mir dann nicht schon seit meiner Jugend die Seele aus dem Leib schreiben? Aber ich tue es einfach nicht, als ob mich die Muse immer wieder im entscheidenden Moment verlässt. Irgendwann habe ich meinen Traum tatsächlich als malerische, aber leere Fluchtfantasie abgehakt, die einfach nur einer romantischen Idee der Schriftstellerei nachhängt.

Und doch lässt es mich nicht los. Da war und ist eine Stimme in mir, die gehört und ausgedrückt werden will – wenn es sein muss auch ohne eine Immobilie in bester Lage. Denn vielleicht ist es ja dieses Luftschloss des „Gartens am Meer“, weshalb ich mir bisher die eigentliche Frage nicht gestellt habe: Warum schreibe ich auch jetzt schon nicht?

Ja, warum überhaupt dieser Garten am Meer? Warum ist er mir so wichtig?

Für mich steht er für meinen geheimen Rückzugsort, der mir Ruhe und Abgeschiedenheit bietet. Gerade das Meer hat für mich etwas Zentrierendes, durch das ich zu mir selbst komme, und gleichzeitig etwas Weitendes, das mir den ganzen Raum der Möglichkeiten eröffnet.

Dort am Meer bin ich weit weg von der Hektik und den Ablenkungen des Alltags – und dem gefühlten Erwartungsdruck, diesen Ablenkungen auch nachgehen zu müssen. Egal, ob es sich dabei um soziale Verpflichtungen oder den traditionellen Wettlauf im Hamsterrad handelt; ohne die räumliche Distanz könnte ich mich all dem nicht so leicht entziehen. Doch hier allein am Meer muss ich nichts. Die Abgeschiedenheit lässt mir gar keine andere Wahl, als mich ganz auf mich selbst zu konzentrieren.

Auf eine gewisse Weise bedeutet ein eigenes Haus mit Garten und Meerblick auch, dass ich es geschafft habe; es ist das große Endziel, an dem ich endlich machen kann, was ich will. Endlich bin ich frei von Zwängen; endlich kann, nein, darf ich mir die Zeit und Muße für meine Träume wie dem Schreiben (und überhaupt für mich) nehmen.

Im Grunde geht es mir also um Ruhe, Grenzen und die daraus erwachsende innere Freiheit, nach meinen eigenen Regeln spielen zu können. Also nichts, wofür ich zwangsläufig einen abgeschiedenen Garten am Meer brauche. Aber er erinnert mich daran, wie wichtig es ist, mir selbst den nötigen Freiraum im Leben zu schaffen – sowohl was den Alltag als auch meine innere Einstellung angeht.

Auch deshalb nun dieser Blog, damit ich endlich schreibe – auch wenn es mir vielleicht am Anfang noch schwer fallen sollte. Dabei kann ich mich gleich mit der Frage auseinandersetzen, warum ich mir selbst so im Weg stehe, wenn es darum geht das zu tun wonach ich mich sehne.

Ich bin selbst gespannt, wohin mich das führen wird – und wenn dieser Weg irgendwann zu einem Garten am Meer abzweigt, umso besser.

Foto: Jacob Morch / Unsplash

Back to School

So wehmütig ich jedes Mal über das Ende des Sommers bin – eigentlich freue ich mich auch immer wieder auf den Herbst und die Geschäftigkeit, die die Menschen nach den Sommerferien überfällt, wenn Schule oder Studium in eine neue Runde starten oder einfach der normale Betrieb der Geschäftswelt wieder aus der sommerlichen Trägheit erwacht. La rentrée, die Rückkehr ins normale Leben.

In diesem verrückten Jahr 2020 läuft es natürlich ein wenig anders: Die großen Corona-Ferien sind entgegen aller Hoffnungen noch immer nicht vorbei; die Pandemie ist nicht während des Sommers im Sande verlaufen, sondern hält die Welt weiter in Atem. Aber so langsam kommen wir in eine Art „neues Normal“, in dem wir uns damit auseinandersetzen müssen, wie wir in ein normales Leben zurückkehren, das so ganz anders ist als das normale Leben, wie wir es kannten (und in dem sogar das alljährliche Ritual des “Back to School” nicht mehr garantiert ist).

Aber ein solcher Wiederbeginn beinhaltet auch grundsätzlich die Chance, die Dinge auf eine neue Art zu betrachten, neue Dinge auszuprobieren, sich in gewisser Weise neu zu erfinden. Wie kann ein solches „neues Normal“ aussehen, sowohl für uns als Gesellschaft als auch für jeden einzelnen von uns? Kann auch etwas Gutes daraus entstehen, eine Richtungsänderung, die uns tatsächlich weiterbringt?

Für mich persönlich war die Antwort auf diese Frage, diesen Blog wieder zum Leben zu erwecken. Mein Corona-Baby also, geboren nicht nur aus ungeplant viel freier Zeit, sondern auch aus der seltenen Gelegenheit, mir ohne die üblichen Scheuklappen des Tagesgeschäfts einmal darüber Gedanken zu machen, von was ich nur träume, ohne es wirklich zu tun – und das ist zu schreiben, gerade zu bloggen. Ich will all das, was in meinem Kopf ist, mit Worten ausdrücken und auf digitales Papier bringen; und zwar so, dass es vielleicht auch andere Menschen inspiriert.

Also habe ich meine “Ferien” für beendet erklärt und mich an den Rechner gesetzt, um dieses Baby auf die Welt zu bringen. Was genau aus ihm wird, kann ich noch nicht sagen; genauso wenig, wie irgendjemand weiß, wie sich der Lauf der Welt in den nächsten Monaten entwickeln wird. Aber es ist ein Schritt vorwärts, in eine neue Richtung.

Foto: Element5 Digital on Unsplash